Weltreise zu den Donauschwaben

Von Jürgen Harich

Der Sommer steht vor der Tür und endlich haben wir wieder bestes Wetter, das auch zum Reisen einlädt. Wie wäre es mal wieder mit einer Reise zu den Donauschwaben? Dies kann neben Besuchen in Deutschland, Österreich oder Frankreich auch eine Reise in die alte Heimat nach Serbien, Kroatien, Rumänien oder Ungarn sein oder vielleicht zieht es manche sogar noch weiter weg. So war es bei mir vor vor wenigen Jahren, als ich die Donauschwaben weltweit besuchte.

Eines Tages kam mir die Idee, statt einer gewöhnlichen Weltreise etwas ganz Besonderes und bisher Einmaliges zu organisieren. Der Beschluss, die Donauschwaben weltweit innerhalb eines Jahres auf allen Erdteilen zu besuchen, war gefasst und die Vorfreude wurde von Tag zu Tag größer. Im Spätsommer des Jahres 2017 war es dann soweit. Nachdem ich bereits die Heimatdörfer meiner Omas und Opas in der Batschka (Gajdobra) und im Banat (Mramorak, Franzfeld) in Serbien mehrmals vor Ort kennenlernen durfte und Rundreisen durch die Vojvodina machte sowie darüber hinaus auch die Donauschwaben in Rumänien, in Kroatien, in Ungarn und in Österreich besuchte, hießen die Ziele nun Brasilien, Argentinien, Südafrika, Australien, USA und Kanada.

Für den Auftakt meiner einjährigen Reise wählte ich mir bewusst Entre Rios in Brasilien aus. Dies hatte gleich mehrere Gründe. Erstens wohnen im Landkreis Tuttlingen, in dem ich lebe, vor allem in der Gegend um meine Heimatstadt Spaichingen die meisten Entre Rios-Rückkehrer, die es nach den ersten Rückschlägen nach der Ansiedlung in Brasilien wieder zurück nach Deutschland zog und zweitens blüht heute ganz im Gegensatz zu den Anfangsjahren diese Siedlung im Bundesstaat Parana regelrecht auf und ist sehr wohlhabend geworden. Der Hauptgrund war für mich aber ein anderer. Ich wollte meine Reise unbedingt in der weltweit noch einzigen existierenden kompakten Donauschwabensiedlung beginnen.

Und so war ich auch gleich nach meiner dortigen Ankunft ganz begeistert. Überall konnte ich noch den schwowischen Dialekt hören, den zuhause nur noch meine Oma sprach oder den meine Mutter benutzt, wenn sie mit ihren Geschwistern redet. Im ganzen Ort las ich überall zweisprachige Schilder. Alles stand auf portugiesisch und auf deutsch. Sogar im Supermarkt kam ich mir wie in Deutschland vor, da auch hier die Muttersprache aus der alten Heimat überall beschriftet war. Ganz besonders beeindruckt war ich von der Donauschwäbisch-Brasilianischen Kulturstiftung mit ihrem lobenswerten Heimatmuseum und dem Radiosender mit täglichen deutschsprachigen Programmen. Das Gebäude der Kulturstiftung ist sehr groß und beinhaltet neben einem wunderschönen Auditorium auch mehrere Räume, in denen Musik-, Tanz-, Theater- und Chorproben stattfinden. Direkt daneben befinden sich der Kindergarten und die Leopoldina-Schule, in denen auch deutsch gesprochen und unterrichtet wird. Weltweit einzigartig ist dabei die Tatsache, dass in der Schule alle Schülerinnen und Schüler das Fach „Donauschwäbische Heimatkunde“ belegen müssen. Weitere nennenswerte Einrichtungen sind neben den Kirchen und der Genossenschaft Agraria das Hospital mit der Semmelweis-Stiftung, das Jugendcenter, das Museum „Memorial Familie Leh“ oder das Sportheim des Danubio-Vereins. All dies und noch viel mehr durfte ich innerhalb einer Woche kennenlernen.

Danach ging es nach Villa Gesell in Argentinien zur Herman Becker Stiftung, welche unter anderem die Donauschwaben in den schlimmen Lagerjahren während und nach dem Zweiten Weltkrieg mit Hilfspaketen versorgte. Als ich dort in einem Buch las, indem alle Lieferungen aufgeschrieben sind, die ins Lager Rudolfsgnad verschickt worden sind, dass auch ein Paket an eine Harich-Familie ging, war ich mehr als gerührt und unglaublich dankbar für diese Hilfe aus Südamerika. In Villa Gesell gibt es heute noch einen sehr rührigen deutschen Verein, in dessen Klubhaus der Chor deutschsprachige Lieder singt. Besonders das dort jährlich stattfindende Winterfest ist ein Anziehungspunkt für die Gäste aus nah und fern.

Weiter ging es in die Stadt mit den meisten donauschwäbischen Vereinen weltweit: Buenos Aires. Dort schaffte ich es tatsächlich an zwei Tagen all diesen Vereinigungen einen Besuch abzustatten. Dazu bekam ich extra einen donauschwäbischen Reisebegleiter der Tanzgruppe „Heimatland“, der mich durch die ganze Metropole chauffierte und mir allerhand Wissen über die Donauschwaben in der argentinischen Hauptstadt vermittelte. Unsere Route begann im Schwabenviertel Temperley mit dem Besuch der katholischen deutschsprachigen Gemeinde, der deutschen Schule und dem Sport- und Kulturverein „Jugend vom Süden“. Der schwäbische Sport- und Turnverein Pineyro stellte schon die nächste Station dar. Auffallend ist, dass in den meisten Klubhäusern auch Kegelbahnen vorhanden sind. Neben dem Tanzen ist unter den donauschwäbischen Landsleuten in Argentinien vor allem das Kegeln sehr populär. So ist es auch kein Wunder, dass die länderüberschreitende Kegelmeisterschaft „LIGA BRASIL ARGENTINA DE BOLOS“ hauptsächlich aus Donauschwabenklubs besteht, die auch schon mehrere Teilnehmer für Weltmeisterschaften im Sportkegeln stellten. Weitere Vereine, die ich besuchen durfte, waren der Donauschwabenverein Ballester, der deutsche Männerchor Villa Ballester und die donauschwäbische Volkstanzgruppe Bernal.

Eine regelrechte Überraschung erlebte ich dann ein paar Wochen später in Südafrika im Klubhaus des Deutschen Vereins in Port Elizabeth. So hängt doch tatsächlich auch dort das Donauschwabenwappen in den dortigen Räumen, da u.a. der Vorstand aus donauschwäbischen Landsleuten besteht. Der Verein ist in der Region sehr bekannt und wurde für sein jährlich stattfindendes Oktoberfest bereits von der Zeitschrift „National Geographic“ als eines der weltweit besten Oktoberfeste ausgezeichnet.

Nun ging es über Asien nach Australien zum Verein der Donauschwaben in Südaustralien, der seinen Sitz in Adelaide hat. Er besteht aus über hundert Mitgliedern, die sich monatlich hauptsächlich im eigenen Haus der Donauschwaben in Woodville treffen. Dort wird gemeinsam gekocht, gesungen, getanzt, Billard oder Karten gespielt. In Australien ist dies noch der einzige existierende donauschwäbische Verein, sodass auch Landsleute aus Sydney, Melbourne oder auch aus Westaustralien dem rührigen Klub angehören. Einmal im Jahr trifft man sich auch zum mittlerweile schon legendären Ausflug ins Barossatal mit seinen Gemeinden, die hauptsächlich von deutschen Auswanderern gegründet worden sind.

Den Abschluss meiner Weltreise bildete Nordamerika mit den USA und Kanada. Dort sind die donauschwäbischen Vereine sehr gut vernetzt und es gibt zwischen den Klubs einen regen Austausch. So gibt es – um nur einige Beispiele zu nennen – eine eigene Fußballmeisterschaft zwischen den Vereinen der beiden Länder, deutsche Sprachschulen, ein Landesjugendlager, Tanzgruppentreffen, Wahlen zum Mister und zur Miss Donauschwaben, Chorveranstaltungen oder Tanzbälle. Der Höhepunkt im Jahreskalender aller nordamerikanischen Donauschwabenklubs ist das mehrtägige große Landestreffen mit dem „Tag der Donauschwaben in den USA und in Kanada“, bei dem sich die Landesverbände mit ihren Mitgliedern auf einem Umzug präsentieren und bei dem ein regelrechter donauschwäbischer Volksfestcharakter entsteht.

Nach all diesen Erlebnissen und Eindrücken ging es für mich im Sommer 2018 mit vielen neuen Freundschaften im Gepäck dann wieder zurück nach Deutschland. Inzwischen habe ich schon mehrere Bildvorträge zu meiner Reise bei verschiedenen donauschwäbischen Vereinigungen im In- und Ausland gehalten und bin so weltweit als Donauschwaben Globetrotter bekannt geworden. Mein besonderer Dank gilt all den donauschwäbischen Landsleuten, die mich bei ihnen zuhause aufgenommen haben oder die mir als Reisebegleiter oder Organisator jeweils zur Verfügung standen sowie Herrn Stefan Ihas, dem Präsidenten des Weltdachverbandes der Donauschwaben, der mir vor und auch während der Reise immer beratend zur Seite stand. Ohne deren Hilfe und Unterstützung wäre dieses Projekt sicherlich nicht so schön geworden! Vielen herzlichen Dank euch allen! Auf uns Donauschwaben weltweit!

Wer mehr über diese Reise erfahren möchte, kann gerne die folgenden Links anklicken:

http://www.schwabe.ro/fileadmin/radio/2019/04.05.2019.mp3 (ab der vierten Minute beginnt das Interview)

https://www.facebook.com/FundacaoCulturalSuabioBrasileira/videos/2647482008837312

Viel Spaß beim Zuhören wünscht

euer Jürgen Harich aus Tuttlingen an der Donau

Enkel von Matthias und Barbara Harich, geb. Hittinger (aus Mramorak und Franzfeld im Banat)

und von Georg und Eva Tillinger, geb. Reimann (beide aus Gajdobra in der Batschka)

 


Nichts für die schlanke Linie. Aber sehr lecker!

Crempitten

Unser „Zwischenfüller“ füllt nicht nur die Zeit bis zum nächsten Highlight des Monats. Dieser „Zwischenfüller“ füllt im wahrsten Sinne des Wortes: den Magen und die Fettpölsterchen (wenn man mit dem Naschen übertreibt).

Pitten gab und gibt es bei den Donauschwaben  – und den anderen Völkern in der pannonischen Tiefebene –    in vielen verschiedenen Varianten und mit vielen unterschiedlichen Füllungen. Heute stellen wir eines der beliebtesten Backrezepte vor… Cremepitten!

Bevor die Pitten gegessen werden, lernen wir noch ein kleines Gedicht über die „Mottrsproch´“. Das Gedicht findet Ihr nach dem Rezept.

Übrigens… das Rezept steht Euch weiter unten als pdf zum Download bereit.

Jetzt aber ran an den Teig…

2 x 250 g Blätterteig aus dem Kühlregal oder aber nach Rezept:

Für den Teig:

250 g Mehl

25 g Butter

1 Prise Zucker

5 g Salz

125 g Wasser (kalt)

 

Zubereitung

  1. Mehl, Butter, Zucker und Salz in eine Schüssel geben und durch die langsame Zugabe von Wasser zu einem Teig vermengen. Den Teig etwa 5 bis 10 Minuten kneten bis er fest ist und nicht mehr klebt. Den Teig in Klarsichtfolie wickeln und für etwa 30 Minuten kaltstellen.

  2. Die Butter aus dem Kühlschrank nehmen und mit etwas Mehl zu einem kleinen Rechteck ausrollen.

  3. Den Mehlteig auf wenig Mehl zu einem Rechteck von etwa 20 x 40 cm Größe ausrollen. Die Butter auf eine Teighälfte legen, die andere Teighälfte darüber klappen. Die Teigränder gut andrücken. Das Teigpäckchen zu einem länglichen Rechteck ausrollen.

  4. Für die erste einfache Tour jeweils von unten und oben etwa ein Drittel des Blätterteiges zur Mitte überklappen. Dieses dreilagige Teigpäckchen nochmals ausrollen. Das gefaltete Teigpäckchen für mindestens 30 Minuten in den Kühlschrank stellen.

  5. Für die zweite Tour die Seiten jeweils bis zur Hälfte einschlagen und den Teig dann übereinander klappen, sodass man eine doppelte Tour erhält. Den Blätterteig erneut zu einem Rechteck ausrollen und wieder kaltstellen.

  6. Für die dritte Tour den Blätterteig zu jeweils einem Drittel wieder zur Mitte hin überklappen und ausrollen. Durch das Ausrollen und Zusammenfalten sowie das Kühlen des Blätterteiges entstehen die feinen blättrigen Schichten.

  7. Backblech mit Butter einfetten und Blätterteig auf das Backblech legen, Teig falten, dass er nicht zerstört wird

  8. Mit einer Gabel einstechen, dass er nicht zu sehr aufgeht

Tipp von Oma: den Teig mit einem Messer in gleich große Stücke teilen, so kann man die Schnitten später einfacher schneiden, aber nur oberflächlich, nicht den Teig durchschneiden

  1. Bei 220°C ca. 10 Minuten backen

  2. Den Vorgang mit dem zweiten Blätterteig wiederholen

 

Für die Füllung:

8 Eigelb

8 Eiweiß

300 g Zucker

1 Prise Salz

150 g Mehl

2 EL Maisstärke

1 Liter Milch

2 Päckchen Vanillezucker



Zubereitung

  1. 8 Eier trennen in 8 Eigelb & 8 Eiweiß

  2. Eigelb mit 150 g Zucken mischen und mit dem Rührbesen in 2 – 3 Minuten schaumig schlagen

  3. 100 ml Milch, 150 g Mehl und 2 EL Maisstärke zugeben und 2-3 Minuten mit dem Handrührgerät mischen

  4. Eiweiß mit eine Prise Salz und 150g Zucker mischen und schlagen bis es fest ist

  5. In einem Topf 1 Liter Milch und 2 Päckchen Vanillezucker zum kochen bringen und dann die Hitze zurückstellen. Den Eigelb Teig in den Topf geben und 3 Minuten unter ständigem Rühren festwerden lassen.

  6. Die Hälfte der Eischneemasse in den Topf geben und mit dem Kochlöffel unterheben und 1 Minute warm werden lassen, dann die zweite Hälfte der Masse unterheben und weitere 1-2 Minuten rühren.

  7. Die Füllung auf den Blätterteigboden geben und völlig auskühlen lassen

Sahne – je nach Geschmack

500 ml Schlagsahne steif schlagen und auf die Füllung geben

Dann den oberen Blätterteig auf die Sahne legen und alles mit Puderzucker bestäuben

Bis zum Servieren im Kühlschrank aufbewahren

Hier kann das Rezept heruntergeladen werden:   Crempitte Rezept-1

Während der Backzeit besteht die Möglichkeit noch etwas für die grauen Zellen zu tun! Wir lernen nun ein Gedicht über unsere Mottrsproch. Spätestens dann schmecken die Pitten genau so gut wie bei Oma!

Die Mottrschproch

Mei Mottr hot mich schwowisch glernt,

do war ich noch o Kind

Ich hab schun glei´ am Ofang gschwärmt,

weil mr gar nix schentres find´t.

 

Wie ich no in dr Schule war,

isch alles schwowisch gange,

wenn´s ner so bleibt o jedes Jahr,

des war jetz´mei Vrlange´ !

 

Wie ich o großr Bu´bin gwest,

no hab ich schwowisch gsunge,

un hab mir no am Sängrfescht,

o echti Schwäwin gnumme.

 

Jetz sin die Kindr schun am „Schwärme“,

sie schwäwle alles noch!

Die Mottr tut sie schwowisch lerne´,

unsre scheeni Mottrschproch !

Matthias Lämmli

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Pfingsten in Miletitsch

Pfingsten war in der ehemaligen donauschwäbischen Gemeinde Miletitsch in der Batschka nicht nur ein Fest des Heiligen Geistes. Die schwowische Jugend wusste zu jedem Anlass einen eigenen Brauch zu entwickeln.

Die Pfingstnacht gibt der Jugend viel zu tun: das „Pfingstlingstecken“

Die „großen Madle“ räumen zwar alle beweglichen Gegenstände aus den Höfen, Ställen und Kammern. Aber die Burschen, die in der Nacht auf Pfingsten im Dorf umherziehen, finden immer noch etwas: mal ein „Melkschtihli“, das sie an den äußersten Zipfel eines Maulbeerbaumes binden, mal ein Gassentürl oder einen Fensterladen, die sie weit in eine andere Gasse tragen oder auf einem Baum verstecken. Manchmal bauen sie aus all den Gegenständen in einer Kreuzgasse eine „Kapell“ oder sie streuen trockenes, gebündeltes Rebholz auf die Straße. Jeder Einfall, mag er auch noch so verrückt sein, darf von der Jugend in dieser Nacht verwirklicht werden. Erst mit dem Morgengrauen findet dieses Treiben ein Ende.

Jetzt aber beginnt bei den Mädchen das große Suchen; da die Burschen ja ihretwegen das Pfingstlingstecken unternommen haben, fällt den Mädchen auch die Aufgabe zu, wieder alles zusammenzusuchen, was die Burschen verstreut haben, denn schon um 4 Uhr früh gehen mehrere Prozessionen ans „Brinnl“ nach Doroslo und da muß alles wieder aufgeräumt sein.

Die 10 Tage von Christi Himmelfahrt bis Pfingsten sind voller Verheißung. An Christi Himmelfahrt zieht zum ersten Mal im Jahr eine Prozession aus der Gemeinde nach Doroslo zum Brinnl, einer alten Stätte der Marienverehrung. Dann folgen Prozessionen aus der ganzen Südbatschka: Schwaben, Ungarn, Slowaken, Schokatzen; alle durchziehen die Hauptstraße in ihrem bunten Trachten, mit ihren Fahnen und Statuen. Lieder und Gebete in fremden Sprachen und Dialekten erfüllen für kurze Zeit die Kirchengasse. Vom Kirchturm läuten den Wallfahrern unsere Glocken zum Gruß und ihr Klang begleitet sie, bis sie das Dorf hinter dem Kalvarienberg verlassen haben.

Kinder eilen aus den Kreuzgassen, Frauen stehen im Haustor, die Bauern halten am Straßenrand ehrerbietig inne, es ist ein Bild, wie es jedes Miletitscher Kind oft und oft gesehen hat und doch niemals müde wurde zu schauen.

Hier zeigt sich wie bei keiner anderen Gelegenheit die bunte Vielfalt, aber auch die einheitliche religiöse Grundhaltung der Bewohner dieses Landes. Schon in der Kindheit wurde so jedem von uns aus der Erfahrung heraus der Gedanke des Zusammenlebens mit Menschen anderer Sprachen, anderer Trachten und anderer Wirtschaftsweise zum bleibenden Besitz.

Aber all diese Bilder donauschwäbischer Gläubigkeit und Farbenpracht wurden an Feierlichkeit, Innigkeit und Glanz noch überboten von der „Miletitscher großen Prozession am Pfingstmontag“.

Die ganze Gemeinde, Pfarrer, Kirchenchor und Kirchenmusikkapelle nehmen daran teil. Die Sonne ist noch nicht aufgegangen und schon ordnet sich der Zug vor der Kirche: die Kinder mit den Kirchenfahnen, die Männer, der Pfarrer im feierlichen Ornat, die Frauen in festlicher Tracht.

Der breiten, sauber gefegten Kirchengasse, mit den frisch geweißten Häusern hinunter, am Kalvarienberg vorbei, zieht der Zug hinaus durch die Felder, die um diese Jahreszeit gerade ihre schönsten Farben zu zeigen beginnt. Nach einer Stunde ist man am „Brinnl“ angelangt, die Gemeinde zieht zum Gnadenbrunnen hinunter, betet eine Litanei und drängt dann in die Wallfahrtskirche, wo der Pfarrer eine hl. Messe liest. Damit ist die eigentliche Wallfahrt zu Ende, der Pfarrer, die „Betweiber“ und die Fahnenträger kehren zurück.

Für alle anderen aber beginnt ein frohes Jahrmarkttreiben. Da sind die Eisverkäufer aus Bosnien, der billige Hans aus Dalmatien, der deutsche Lezeldner, die Krachlverkäufer, der Opankenmacher, verkrüppelte Bettler … ein Lärm und Feilschen in allen südosteuropäischen Sprachen.

Die Bauern kaufen was sie für die bevorstehende Ernte benötigen, Sensen, Sicheln, Wetzsteine, Strohhüte; die anderen Wallfahrer Kleidung, Schuhe, Heiligenbilder, alle aber bringen ein „Pfingststickl“ für die Kinder oder die Mädchen mit. Meist ist es ein rosaroter und gelber „Lezelderosenkranz“ , „Kalichzucker“, oder „a Rätsch“ oder ein „Phääbl“. Gegen acht Uhr fahren dann die Bauernburschen vor, um die Leute abzuholen. Jeder von ihnen hat seinen „kurzen“ Wagen hellgelb oder weichselbraun gestrichen, das neue Pferdegeschirr eingefettet und seine Pferden bunte Bänder in die Mähnen geflochten. Die Stirnbleche, Rasseln und geschliffenen Ringe des Sielengeschirrs glänzen wie Spiegel, denn jeder junge Kutscher mit der Pomponpeitsche auf dem vorderen Sitz, möchte den schönsten Wagen und die rassigsten Pferde zeigen.

Phääbl= Kinderpfeife

Rätsch= kleines Papierwindrad

Lezelden= Lebkuchen

Kalichzucker= Honigzucker, türk. Honig

Opanermacher=Schuhmacher

Krachlverkäufer=Getränkeverkäufer

Bildnachweis:
Schneider, Martin: Militisch
Freilassing 1961, S.126


 


  • Bauch- und Beinbündchen werden rechts auf rechts zusammengelegt und die kurzen Seiten, die offen sind, werden geschlossen, dass ein Ring, bzw. ein Schlauch entsteht.
  • Das Bündchen anschließend der länge nach rechts auf rechts falten und an die Hosenbeine anstecken. Achtet dabei darauf, dass die Nat später innen in der Hose liegt.
  • Alles unter gleichmäßiger Dehnung einnähen und anschließend die Hose wenden.

ANLEITUNG

  • Nachdem wir alle Teile ausgeschnitten haben, nehmen wir die Vorder- und Rückenteile des Innenstoffs und legen diese rechts auf rechts aufeinander, sodass die Seiten- und Schulterkante bündig liegen und nähen dann die Seiten und Schultern zusammen.
  • Die Arme müssen natürlich offenbleiben, dass man das Kleidungsstück später wenden kann.
  • Das gleiche Verfahren machen wir jetzt mit dem Außenstoff.
  • Nun wird der Außenstoff einmal umgeschlagen und in den Innenstoff gelegt, sodass sich die beiden Stoffe rechts auf rechts (also die schönen Seiten) anschauen.
  • Nachdem die Teile aufeinander festgesteckt sind und so die Nähte bündig aufeinander liegen, nähen wir einmal um die Weste rundherum und lassen die Arme dabei wieder offen.
  • Wichtig ist, dass der Stoff während dem Nähen Kante auf Kante bleibt.
  • Wenn die Weste einmal umrundet ist, dann wird diese durch eine der Ärmelöffnungen umgedreht, sodass die rechten Stoffseiten nach außen zeigen.
  • Nun mit den Händen in die Ärmelöffnung gehen und die Ecken und Kanten der Weste schön ausstopfen.
  • Die Ärmelöffnungen nun einen guten Zentimeter einschlagen und gut fixieren mit Stecknadeln oder Klammern, dabei darauf achten, dass die Nähte wieder genau aufeinander liegen.
  • Mit einem geraden Stich oder einem Zierstich einmal rund herum nähen und die Ärmelöffnungen auf beiden Seiten damit schließen.

Viele Trachtengruppen haben diese Variante der Männerweste. In unserer Gruppe sind die Westen jedoch noch mit einem roten Band gesäumt, dass von der Knopfleiste über den Kragen geht. Daher muss hier beim Zusammennähen von Vorder- und Rückseite noch ein Schritt eingefügt werden.

  • Hierzu die Bündchenstreifen jeweils rechts auf rechts zum Ring nähen und der Länge nach links auf links falten.
  • Um die Bündchen gleichmäßig gedehnt einzunähen, die Bündchen mit Stecknadeln in mehrere Abschnitte teilen.
  • Anschließend die Bündchen mit den Markierungsnadeln aufeinander stecken und mit deinem dehnbaren Stich annähen
  • Anschließend die Nahtzugabe in das Kleidungsstück legen und mit einem dehnbaren Stich steppen.

Ich habe für meinen Sohn anschließend noch zwei Taschen auf die Weste genäht und auf der rechten Seite silberne Köpfe von Hand aufgenäht. Auf Knopflöcher habe ich verzichtet, da in unsere Gruppe die Weste offen getragen wird. Ihr könnt diese aber natürlich trotzdem gerne nähen. Die Männer in unserer Trachtengruppe tragen nämlich die weißen Leinenhemden, die mit den Initialen der Männer bestickt sind und diese kann man nicht sehen, wenn die Weste geschlossen ist.

Und nun wünsche ich viel Spaß beim Nachnähen. Wer das Buch nicht haben sollte, der findet viele kostenlose Schnittmuster im Internet oder benutzt einfach eine Kinderbekleidung als Vorlage.

Quellen:

Dohmen, Pauline: Kinderleicht! Nähen mit Jersey für Babys und Kids. Stuttgart 2019.

Groth-Schmachtenberger, Erika. Volks-Trachten aus Oberbayern, Österreich, Ungarn, Jugoslawien mit den Donauschwaben, Rumänien mit den Siebenbürger Sachsen. Schriften des Freilichtmuseums des Bezirks Oberbayern an der Glentleiten 1980.

Anmerkung des Admin: Die Trachten wurden von unserer Bundesjugenleiterin anhand der Vorlage nachgenäht und kommt bei Trachtenumzügen, Kirchweihfesten oder Auftritten tatkräftig zum Einsatz!