Eines der bekanntesten Merkmale der Donauschwaben, sind die bunten Trachten, die sich von Dorf zu Dorf unterscheiden. Trachten allgemein, unterscheiden sich zur jeweiligen Mode dadurch, dass sie langlebig sind und ihre Entwicklung langsamer und gleichmäßiger verläuft. Nichts desto Trotz ist auch die Tracht eine Mode, die einem stetigen Wandel unterworfen ist.

Auf Wunsch der Tanz- und Trachtengruppen, hat sich das Landesjugendseminar 2020 mit dem Thema „Trachten“ beschäftigt. Man hat versucht sich einen Überblick über die Trachten zu verschaffen, die die Trachtengruppen aktuell noch tragen.


Doch wie definieren sich die Trachten und von was ist ihr aussehen abhängig? Sicherlich sind geographische und klimatische Voraussetzungen, sowie das Volkstum mit der zugehörigen Religion, Sitten und Bräuchen eine bildende Grundlage für das entstehen der jeweiligen Tracht. Außerdem gibt es gravierende Unterschiede zwischen den einzelnen Alters- und Lebensstufen der Träger. Formen und Farben der Trachten werden unter anderem durch den Familienstand der Frau gekennzeichnet. Und nicht zuletzt sagt der Träger einer Trachte damit aus, dass er zu einer bestimmten Volksgruppe gehört.

Anlässlich des Jubiläums „60 Jahre Flucht und Vertreibung“ im Jahr 2005 hat der Bundesvorsitzende der Donauschwaben, Johann Supritz, versucht zu erfassen, was nach 60 Jahren noch von den Trachten der alten Heimat übrig ist:

Die Vorfahren der Donauschwaben, auch als Auswandererahnen bezeichnet, kamen im 18. und 19. Jahrhundert aus dem ganzen Reich deutscher Nationen in den südosteuropäischen Raum als von den Habsburgern gerufene Kolonisten (Pfälzer, Rheinländer, Badener, Württemberger, Bayern, Elsässer, Franken u. a. ). So ist auch ihre Volkstracht nicht einheitlich, sondern ein Spiegelbild dieser Herkunftsregionen. Viele dieser schönen Originaltrachten befinden sich im Donauschwäbischen Zentralmuseum in Ulm, mit den entsprechenden Beschreibungen über Herkunft und Gebrauch. Sie sind als Modell zur Nachahmung bestens geeignet.

Deswegen sei auch hier nur auf allgemeine und querschnittliche Merkmale hingewiesen und im speziellen auf die hier abgebildete Tracht, die sog. „Obrovacer Tracht“ , die in dem Ort Obrovac in der Südbatschka an Festtagen auch noch kurz vor dem Zweiten Weltkrieg getragen wurde.

Die männlichen Siedler trugen Kniehosen (Bux), die unter dem Knie seitlich festge­schnallt waren, das Leibchen mit Silberknöpfen und eine kurze Joppe. Als Kopfbe­deckung diente der Dreispitz der später durch den schwarzen breitkrempigen Hut ersetzt wurde. Das Gesicht war glattrasiert. Bis 1848 und auch später trugen die Männer den Zopf (Schnatz), weiße Strümpfe und Schnallenschuhe. In den achtziger Jahren kamen bei den Bauern hohe ungarische Stiefel auf, bei den Bürgern Zug- und Schnür­schuhe, im Winter trugen die Männer das rumänische Pelzleiwl und hüllten sich in der madjarischen Bunda.

Die Frauen trugen als Kopfbedeckung Hauben und helle oder dunkle Kopftücher; die Mädchen gingen stets barhäuptig mit freien geflochtenen Zöpfen. Die Geflechte waren von Dorf zu Dorf recht unterschiedlich angeordnet. Sie hießen demnach Wasserzopp, Rosmareinzopp, Haarknoten, Pitz, Knödl, Koxel, Nest, Kringelzopp, Schragelzopp, Pipe, Henkelzopp u.v.a. Die Kleidung bestand aus dem Leibchen, dem langschössigen Röckl, der Jacke (Tuschange, Visitl, Schössl, Mutza), dem Tuch (Schultertuch, Flitschetiechl), dem Rock und im Winter trugen sie den Pelz, nach der serbischen Herkunft auch Tschu­rak genannt. Den Leib der Mädchen umschloss ein schmaler Gürtel, die Frauen trugen keinen Gürtel. Die Schürze (Firter, Ferter) war bunt oder weiß, über der Schürze hing eine Schleife. Die Unterröcke (Unnerstock) der Festtracht zählten ein halbes Dutzend und mehr. Sie wurden gestärkt und gefältelt unter dem Oberrock getragen. Mädchen und Frauen trugen selbstgestrickte Strümpfe von weißer, blauer, brauner oder schwarzer Farbe, dazu Schuhe aus Samt oder weichem Leder. Als bevorzugte Farben der Fest-, Sonntags-, Kirchweih- und Brauttracht galten oft Weiß, Rosa (hellrot) und Himmelblau. Mancherorts zogen die Mädchen und Frauen dunklere Töne vor (z.B. in Miletitsch, Parabutsch und Karavukovo ). Jede dunkle Grundfarbe erforderte bunte Blumenmuster und Bänder. Stoffe, Machart, Verzierungen, Fransen, Blumen und Farben zeigten die Altersunterschiede an, oft auch die sozialen.

Zum Zierrat des weiblichen Geschlechts gehörten Ohrringe, Krellenschnüre, Kettchen mit einem Kreuz oder anderen Anhängseln, dann auch Fingerringe. An Festtagen hielten die Mädchen ein steif und glatt gebügeltes weißes Tüchel in der Hand, dessen Stickereien mit den Farben der Kleidung harmonierten.

Kleidungsstücke, die auf das 15. und 16. Jahrhundert hinweisen, verbanden sich mit Mo­dekleidern des 18. Jahrhunderts, um mit Nachdruck die Spielarten Donauschwäbischer Volkstracht zu präsentieren. Auch dies ist ein wesentlicher Teil unseres barocken Erbes.

Die Obrovacer Tracht

Fast alle Einwandererahnen, des in der Südbatschka (im heutigen Serbien) gelegenen Ortes Obrovac, kamen so ab 1760 aus dem Schwarzwald. Nur einige Familien kamen aus dem Böhmerwald.

Daher handelt es sich hier um eine Tracht, deren Ursprung im Schwarzwald zu suchen ist.

Die Männer trugen Sonntags schwarze Hosen mit Stiefeln, einen kurzen, schweren Rock mit hohem Kragen. Der Hut war ebenfalls schwarz, groß und rund. Leibchen war kurz und rot eingesäumt, auf beiden Seiten befanden sich Knopflöcher. Auf der linken Seite waren silberne, hohle Knöpfe angebracht. Die Hemden waren aus Tuch.

Die Frauen trugen bunte Röcke aus verschiedenen Stoffen: Seide, Lüster, Tuch. Der Rock wurde entweder gezogen oder ganz fein plissiert. Die Zahl der Unterröcke betrug sechs bis sieben. Diese waren steif gestärkt.

Die Schür­zen waren aus schwarzer Atlasseide und ringsum mit Spitzen besetzt. Das Hemd war weiß und steif gestärkt. Am Rande der Ärmel waren breite weiße Spitzen und auch den Halsausschnitt zierten Spitzen und Handarbeiten.

Im Sommer trugen sie manchmal nur ein Samtleibchen oder auch darüber noch ein Halstuch. Dieses war aus Seide, Kaschmir oder Kammgarn. Am Tuch waren Atlasfransen bis zu einer Länge von 30 Zentimeter angebracht. Das Tuch wurde fein eingelegt und mit Stecknadeln am Leibchen befestigt. Am Hals trugen sie ein Sammetband mit einem Kreuz und noch die sogenannten Krellen (Perlen). Die Krellen hingen in vier oder fünf Reihen untereinander über die Brust. Die Haare waren in einem Zopf geflochten und mit einem hohen Kamm hinaufgesteckt. Die Frauen trugen über dem Kamm als Kopf­bedeckung ein Kopftuch. Bei den Mädchen stand der Zopf rückwärts weg und daran wurden Bänder in Schwarz, Blau oder Rot gebunden. Die Farbe der Bänder wurde je nach den Jahreszeiten getragen. Die Strümpfe waren weiß und selbstgestrickt. Die Schuhe waren aus Samt oder Lackleder. Vor dem ersten Weltkrieg legten die Mädchen und nach dem Krieg die Frauen die Kämme ab. Seit Mitte der 60-er Jahre wird diese schöne Tracht im Rahmen der kulturellen Traditionspflege auch heute noch von der Donauschwäbischen Tanz- und Trachtengruppe in Ulm bei ihren Auftritten getragen, wie dies das Bild zeigt.

Groth-Schmachtenberger, Erika. Volks-Trachten aus Oberbayern, Österreich, Ungarn, Jugoslawien mit den Donauschwaben, Rumänien mit den Siebenbürger Sachsen. Schriften des Freilichtmuseums des Bezirks Oberbayern an der Glentleiten 1980.

Supritz, Hans. Betrachtungen zur Traditionspflege der Donauschwaben aus dem ehemaligen Jugoslawien – gedacht als internes Memorandum für die Tanz- und Trachtengruppen. 2005.

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