Neujahr

Ich winsch Eich a glickseliges Neies Jahr, langes Lewe, Gsundheit, Fried und Einigkeit und noch´m Tod die ewig Glickseligkeit“

Diesen uralten Wunsch lernte der kleine Miletitscher zusammen mit seinen ersten kurzen Kindergebeten; denn nicht nur Vater und Mutter, die Großeltern, auch alle „Vettre“ und „Bäsle“, Nachbarn und Bekannten und vor allem die Godl und der Geed, erwarteten von den Kleinen das sie ihnen „s Neijahr anwünschen“

Galt man allerdings als Lausbub, so konnte man mit einem frechen:

Ich winsch, ich winsch, ich waaß net was, lange in Sack und gewe mr was“

Deutlich genug sagen, worauf es einem ankam. Die Erwachsenen schmunzelten dann auch immer vergnügt und holten aus dem „Sack“, der Hosentasche, eine Nickelmünze hervor.

Das „Winschen“ steht am Neujahrstag im Mittelpunkt des geselligen Lebens. Es ist, als ob das ganze Dorf eine einzige große Familie wäre. Schon am Silvesterabend um fünf Uhr nachmittags findet sich die Gemeinde zur Danksagung in der Kirche zusammen und der Pfarrer verkündet Geburten-Sterbe- und Heiratsziffern für das verflossene Jahr.

Es ist ein feierlicher Gottesdienst, die Schützen und alle anderen Vereine nehmen geschlossen daran teil und wenn das „ Te Deum“ sich zum Schluss erhebt, ist jeder im Dorf von einer so tiefen Feierlichkeit erfasst, dass ihm die flachen Vergnügungen eines Silvesterrummels wie schaler Wein vorkommen würde.

Quelle: Milititsch, Martin Schneider 1961

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