Fasching in Mramorak

Faschingsgesellschaft in Franzfeld

Fasching in der alten Heimat

Von Jürgen Harich

Auch in der alten Heimat ging es in der fünften Jahreszeit sehr lustig zu. Die Faschingszeit war eine der schönsten im ganzen Jahr. Interessant ist, dass es dort in manchen Regionen die Fasching und nicht der Fasching wie bei uns heutzutage geheißen hat (vgl. Breitenbach, S.48). Jeder Ort hatte seine Besonderheiten, was es schwierig macht, allgemein darüber zu berichten. Und dennoch gab es einige Gemeinsamkeiten. “Die Faschingssaison begann mit dem Sonntag nach dem Dreikönigstag und endete mit (dem) Faschingsdienstag” (Huber, S.10).
Neben der Freude und der Ausgelassenheit spielten die verschiedenen Tanzbälle eine große Rolle. Jedes Gasthaus war geöffnet und lud zum Tanz ein. So hatte beispielsweise in Gajdobra jeder Wirt “sein Fischpaprikasch, jede Zunft ihren Ball: es gab den Bauern-, den Handwerker-, den Biresch-, den Lumpenball und noch einige andere dazu” (Becker, S.6). Berühmt waren in manchen Gemeinden auch der Brezelball und Jägerball. Wie damals üblich befanden sich um die Tanzfläche herum Sitzgelegenheiten, auf denen die Mütter, Tanten und Großeltern Platz nahmen. Es kam häufig vor, dass die älteren Personen besonders zu Fasching “ihr Abendbrot schon am Nachmittag in den Tanzsaal mitnahmen, erstens um den Platz nicht zu verlieren und dann immer beim ersten, also beim wichtigsten Tanze zugegen zu sein. Es tanzten (bei diesem Tanz) nur Ledige miteinander. Nur selten kam es vor, daß ein Verheirateter unter Ledigen tanzte. Für die Verheirateten waren der zweite und der dritte Tanz des Faschings (…) vorbehalten” (Schäffer, S.233).
An die verheirateten Frauen wurde selbstverständlich auch gedacht. Während den Tanzveranstaltungen gab es in der alten Heimat die sogenannten “Weibertänze”. Hier waren die Burschen “verpflichtet, verheiratete Frauen aus der Verwandtschaft zum Tanz zu holen” (Der Franzfelder, S.5). Der Höhepunkt war früher der “Spatzetanz” oder der “Strumpfbändltanz”. Hier machte einer etwas vor “und alle äfften nach. Da ging´s durch´s Fenster, auf der Erde ´trollte´ man sich usw.” (Breitenbach, S.49). An allen Faschingstagen wurde “getanzt, gelacht und gescherzt. Am Faschingssonntag hatten die Mädchen ihre rosaroten Röcke und die blauen Halstücher an. Da war auch die Tracht ´lustig´” (Becker, S.6).
Die Kinder hatten früher mancherorts auch “ihre Faschingsbelustigung. In einem kleineren Gasthaus, oder auch in einem Bauernhaus, wurde ein Zimmer ausgeräumt, ein Harmonikaspieler aufgenommen, und die Schulkinder konnten sich unter der Anleitung der ´Tanzmeisterinnen´ auf ihre Weise belustigen” (Schneider, S. 122). Es fanden in der fünften Jahreszeit auch Tombolas und Versteigerungen statt, von denen die Eltern für ihre Kinder immer etwas mitbrachten, was für diese dann eine besondere Faschingsfreude war (vgl. Becker, S.6).
Gut gegessen wurde natürlich auch. Die leckeren Mehlspeisen wie die Faschings- und Zimtkrapfen stehen stellvertretend für das “Verhudelte Rossgschirr” (Der Franzfelder, S. 5). Eine Besonderheit stellte in manchen Orten die Bitte der Küh- und Schweinehalter, die “Vieh bei der Halt (Herde) hatten” (Schäffer, S. 243), dar. Diese Hirten “baten um den Faschingsbraten. Dieser Bitte wurde auch immer reichlich entsprochen, in Gestalt von Speck, Schinken, Würste, Schwartenmagen und anderer Lebensmittel” (ebd.). Dies stellte dann den “Braten” oder das “Faschingsküchl” dar. Somit hatten auch diese Leute eine Freude und waren ganz “narrisch”. Übrigens: “Zu Fasching sollte man kein gefülltes Kraut kochen, sonst würden viele Disteln im Feld wachsen” (Huber, S.11).
Nach all den lustigen Tagen und den langen Tanzabenden hieß es am Aschermittwoch dann Abschied von der fünften Jahreszeit zu nehmen und überall hörte man den beliebten Spruch “Heind isch Aschermittwoch, hätt ich mei Geld noch” (Breitenbach, S.50).

Literaturverzeichnis:
Becker, Anni (Sr.M.Ruth): Unveröffentlichtes Manuskript. Weichs 1963.
Breitenbach, Peter: Sitten und Bräuche der Batschka-Schwaben. Stuttgart 1937.
Der Franzfelder. Nummer 60. Jahrgang 2015/2016.
Huber, Gustl: Der Weg der Donauschwaben. Bonn 1995.
Schäffer, Anton: Heimatbuch Gajdobra / Neugajdobra. Aalen 1958.
Schneider, Martin: Militisch. Freilassing 1961.

Bildverzeichnis:
Henke, Peter/Baumung, Erhard/Bitsch, Franz u.a. (Hrsg.): Bildband Mramorak. Blieskastel 1985, S. 345.
Rödler, Andreas: Franzfeld 1792-1945. Bilder einer donauschwäbischen Großgemeinde im Banat. Reutlingen 1985, S. 307.

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