Wir bauen eine Ulmer Schachtel

Von Christian Ludwig Brücker

Mit plumpen, flachen Kähnen fuhren einst deutsche Auswanderer donauabwärts ins Ungarland. Männer, Frauen, Kinder, Proviant, Werkzeug, ja sogar Vieh mußten auf dem Schiff Platz finden. Außerdem baute man die Schiffe so, daß die Siedler in der neuen Heimat aus den Schiffsbrettern und -planken die erste Hütte zimmern konnten. Bilder und Modelle dieser Schiffszüge finden wir in manchen Wirtsstuben. So fällt es uns nicht schwer, eine Plätte oder “Ulmer Schachtel” nachzubasteln.

Zuerst sägen wir uns aus 5 – 6 mm starkem Sperrholz das Dach aus (Skizze 1). Aus dem gleichen Holz sägen wie er die zwei gleichgroßen Spanten oder Streben (Skizze 3), die wir auf die Unterseite des Decks nageln und leimen. Da die Seitenwände des Schiffes an Bug und Heck hochgezogen sind, müssen wir dort für die dünnen Seitenflanken eine Verstärkung anbringen. Nach Skizze 4 sägen wir die vier gleichen Sperrholz-Dreiecke aus und kleben sie auf die Decksränder.

Nun ziehen wir den Schiffsboden auf. Wir suchen uns geschmeidiges Furnier- oder Millimetersperrholz und schneiden daraus ein Rechteck: so breit wie das Schiff und so lang, daß es sich vom Bug bis zum Heck spannen lässt, so wie es die gestrichelte Linie von Skizze 2 zeigt. Den genauen Umriss bekommen wir, wenn wir Pappstückchen senkrecht an die Deckskante halten und die Linie auf dem Schiffsboden nachzeichnen. Da der Boden gebogen ist, erhalten wir eine ähnliche, aber länger gezogene Form als das Deck. Mit einer Schere schneiden wir nun den Boden genau aus und kleben ihn an Bug, Heck und an den Spanten fest.

Auch die Seitenplanken schneiden wir aus Furnier- oder Millimetersperrholz. Die genaue Form erhalten wir, wenn wir dünne Pappe um die offene Seite biegen und Boden und Deck darauf abzeichnen. Wir schneiden diese Probeseite aus Pappe nicht zu knapp aus, damit wir sie nochmal hinhalten, nachmessen und den Decksrand berücksichtigen können. Nach dieser Pappschablone schneiden wir das Holz aus und kleben es mit Uhu oder Pattex auf.

Der Schiffsrumpf ist damit fertig. Der geschickte Bastler kann allein weitergestalten, dem weniger geschickten hilft das Bild. Auf das Deck stellen wir ein Häuschen, bei dem wir die Giebelseite (Skizze 7) aus festem Holz, Dach und Seiten aus Furnierholz schneiden. Die Ruderstege und Ruder schneiden und schnitzen wir aus Holzabfällen. In den Bug und in das Heck setzen wir einen kräftigen Balken, der als Ruder und Anlegesteven dient (Skizze 6).

Zum Schluß streichen wir unser Schiff mit farblosem Lack, und die frohe Flußfahrt kann beginnen.

Quelle: Weifert, Mathias (Hrsg.): Eingliederung donauschwäbischen Kulturerbes. Schulpraktische Themen und Unterrichtsskizzen. 3. Band. München 2002, S. 136f.

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