Fronleichnam ist ein so großer Tag, so sagte man bei uns, dass man nicht einmal in den Garten gehen soll. Früher baute man die Kapellen für die Prozession aus Eichenstämmen und Kränzen jedes Jahr neu auf; um 1900 herum ließen dann vier Bauern an ihren Häusern kleine gemauerte Kapellen errichten und seitdem hat die Prozession ihren festen Weg. Immer beteiligt sich die ganze Nachbarschaft am Ausschmücken der Kapelle: die Kinder sammeln Blumen, die Frauen flechten Kränze und bringen Tücher, Heiligenbildchen und Kerzen. Alle sind erfüllt von dem Ehrgeiz, ihre Kapelle am schönsten auszuschmücken.

Eine „Kapelle“, der Alter geschmückt mit vielen Heiligenbildchen („Schildle), die Seitenwände und die Türflügel mit großen Bildern (Herz-Jesu, Herz-Mariä u.a.) – eine gern geleistete Gemeinschaftsarbeit der Nachbarschaft.

Inzwischen bestreut der „Artnanzr“ den ganzen Weg mit Heu; das Dorf ist bereit zum Empfang des „Hochwürdigen Guts“.

Die Gemeinde strömt in die Kirche; die Frauen tragen einen Kranz in der Hand, die Mädchen eine Rose im hohlen Stengel eines Liebstöckels. Um acht Uhr wird die Messe gelesen und um neun Uhr beginnt die Prozession.

Die „großen“ Mädchen bei der Fronleichnamsprozession

Die Zugfolge ist immer gleich: an der Spitze die Kinder mit dem Kreuz, dann folgen die Schützen, die Burschen, die Männer, die „großen Madl“, die Dreifaltigkeitsburschen mit der Statue der Hl. Dreifaltigkeit, die Muttergottesmädchen mit der Statue der Mutter Gottes, der Pfarrer mit dem „Himmel“ ( Schützen bilden Spalier ), das „Gericht“ ( Gemeindevorstand) und die Frauen. In dieser Folge finden auch die „Umgänge“ um die Kirche an den Monatssonntagen und hohen Festen zwischen Ostern und Kirchweih statt.

An den Kapellen spielt ein Streichquartett, die Schützen schießen eine Salve und an der Kirche kracht ein Böllerschuss wenn der Pfarrer dem Volke das „Hochwürde Gut“ zeigt. Während des ganzen Weges läuten die Glocken und die Blaskapelle des Kirchenchors spielt Kirchenlieder.

Nach der Prozession nehmen die Bäuerinnen ein Büschl Heu für das Vieh mit nach Hause; manche versuchen „g´wichenes Sach“ von den Kränzen und den Blumen zu erlangen. Doch hier stehen schon die Nachbarsleute, die sich auch am Nachmittag vor die Kapelle setzen, um das Lob der „schönen Kapell“ zu hören, das alle die vorübergehen, in reichem Maße höflich spenden.

Vor der Vesper „machen“ auch die Kinder eine Kapelle: die Lehne eines Stuhls wird mit einem weißen Tuch verkleidet, ein Kruzifix wird angelehnt und die vier Trägerinnen, begleitet von einigen weiteren Kameradienen aus der Nachbarschaft machen sich auf zum Kalvarienberg, die „zehn Gebote“ singend:

„Der Mensch gedenke ans erste Gebot,

der Mensch gedenke an Jesus,

Gut Nacht, Maria Mittlerin,

Nimm auf meine Seele zur Dienerin.

Der Mensch gedenke ans zweite Gebot ….

Der Mensch gedenke ans dritte Gebot ….

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