Ahnen-Auswanderer-Denkmal

Das Ahnen-Auswanderer-Denkmal der Donauschwaben am Donauschwaben-Ufer in Ulm

Die Entstehung des Denkmals

In einer Kreisvorstandssitzung der „Arbeitergemeinschaft der Deutschen aus dem Südosten“ im Jahre 1955 in Ulm/Donau beantragte der damalige Kreisvorsitzende für die Donauschwaben, Franz Helfrich, der Errichtung eines Ahnen-Auswanderer­Denkmals in Ulm zuzustimmen. Dem An­trag wurde von den Delegierten stattgegeben.
Bald darauf richteten Franz Helfrich und Edmund Jäckel an den Oberbürgermeister der Stadt Ulm, Theodor Pfizer, ein Schreiben, in dem sie auf die Geschichte und das Schicksal der Donauschwaben hinwiesen und dann die Bitte aussprachen:
,.Diese geschichtliche Tatsache wollen wir, die wir nun nach 250 Jahren durch unsere Vertreibung bzw. Aussiedlung aus unserer angestammten Heimat in die Urheimat unserer Ahnen zurückgekehrt sind, zum Anlass nehmen und in der Stadt, wo unsere Ahnen den letzten Segen für die große Reise ins Ungewisse bekamen, ein Ahnen-Aus­wandererdenkmal errichten. Vorausset­zung für die Verwirklichung dieses Vorha­bens ist natürlich das wohlgesinnte Einver­ständnis seitens der Stadt Ulm.“
Verhältnismäßig schnell stimmten der Oberbürgermeister und der Stadtrat dem Vorschlag der Arbeitsgemeinschaft zu. Bald darauf wurde das Denkmalprojekt von der Stadt im Wettbewerb ausgeschrieben. Das Denkmal hatte die Verbindung der Stadt Ulm mit den Donauschwaben und den geschichtlichen Werdegang darzu­stellen. Schlusstermin des Preisausschreibens war der 31. August 1956.
Eingereicht wurden 21 Entwürfe. Die Jury der Oberbürgermeister Theodor Pfizer, Museumsdirektor der Stadt Ulm, Dr. Herbert Pee, Bildhauer Gottlieb Kottmann, Landesvorsitzender der Landsmannschaft der Donauschwaben in Baden-Württemberg, Jakob Wolf und Kreisvorsitzender Franz Helfrich angehörten, hatte den Entwurf des Künstlers Erich Koch, geboren in Rossbach/Pfalz, wohnhaft in München, mit dem 1. Preis bedacht. Kochs Entwurf kam zur Ausführung.
Unter dem 12. Oktober 1955 wurde ein Aufruf zur Spende an die Deutschen aus dem Südosten gerichtet. Die Spendeaktion erbrachte in der Zeit vom 12. Oktober 1955 bis 22. November 1958 den Betrag in Höhe von 33 520,66 Mark. Bei der symbolischen Grundsteinlegung für das Ahnenauswanderer-Denkmal 1956 in Ulm hat Kreisvorsitzender Helfrich Erde mit den Worten ausgestreut: „Alte Heimaterde, vermähle dich mit der neuen Heimaterde!“

An der Einweihung und Enthüllung des Ahnendenkmals am 9. August 1958 in Ulm nahmen etwa 6 000 Landsleute und Freunde teil. Es war ein herrlicher Sommertag, heißt es in einem Bericht, als am Samstagmorgen am Donauufer eine stattliche Anzahl von hohen Gästen und Landsleuten sich zu der feierlichen Handlung der Denkmalenthüllung zusammengefunden hatte. Mit einem Bläserchoral hob die Feier an. Landsmann Franz Helfrich und Josef Werneth nahmen die Handlung der Enthüllung vor, worauf katholischerseits Pfarrer Neumann und evangelischerseits Pfarrer Ottmann ihre Weiheansprachen hielten.

Dann würdigte Oberbürgermeister Pfizer diese Tat und hob insbesondere die Verbundenheit der Donauschwaben mit der Stadt Ulm hervor. Zum Schluss sprach Jakob Wolf über die Bedeutung des Denkmals und unternahm die Deutung des Schicksals des donauschwäbischen Volksstammes. Im Anschluss daran fand die Ahnenfahrt auf der Donau statt, indem drei den seinerzeitigen Auswandererschiffen getreu nachgebildeten Fähren die Donau abwärts fuhren.

Tiefe Stille und Ergriffenheit bemächtigten sich der Anwesenden, als drei Männer dann von einem Kahn zum Gedenken an die alte Heimat und ihrer Toten mitten auf der Donau einen Kranz mit brennenden Kerzen den Wellen übergaben. Diese Handlung vollzog sich unter den Klängen des Liedes vom guten Kameraden und dem Weihespruch des Heimatdichters Jakob Wolf, den ein Jugendlicher vortrug.

Die in das Denkmal eingemauerte Urkunde hat folgenden Wortlaut:

Von dieser Stelle aus zogen vor zweihundert Jahren, gerufen von den Kaisern Karl VI., Maria Theresia und Joseph II., tau­sende schwäbischer Bauern die Donau hinab nach Wien und von dort in die durch die Türkenkriege verödeten Ebenen zum unteren Donaulauf, um hier ein Werk der Kolonisation zu schaffen, von dessen Mü­hen und Entbehrungen das Wort zeugt:
„Die Ersten hatten den Tod, die Zweiten die Not, die Dritten das Brot!“
Ihre mit der Pflugschar, nicht mit dem Schwert gegründete neue Heimat durchwirkten sie im Laufe der Generationen— den Nachbarn zum Vorbild — mit einer eigenständigen Kultur.
Aus den Wirren des Zweiten Weltkrieges aufbrechender Hass vernichtete diese blü­henden Siedlungen: Die Donauschwaben wurden vertrieben und zerstreut, ihre Dör­fer und Höfe verfielen. Fünfhunderttau­send kehrten in die alte Heimat zurück und haben mit dieser Urkunde sich zu einer gro­ßen, friedlichen Leistung bekannt, die vor der Geschichte der Menschheit bestehen bleibt, auch wenn menschlicher Unver­stand sie tilgte.
Diese Urkunde wurde in das Denkmal eingefügt, das die Nachfahren der einst von hier ausgezogenen Siedler an dieser Stelle errichtet haben.
Ulm, den 25. Juni 1958
Für die Donauschwaben: Jakob Wolf und Franz Helfrich
Für die Stadt Ulm: Oberbürgermeister Pfizer